Gabriele Münter und die Volkskunst

Man sagt der Volkskunst oft nach, dass ihr das Theoretische und das Akademische fehle und dass sich die Künstler an der klassischen Kunst zwar versuchen, aber deren Niveau nicht erreichen. Dass dies nicht immer der Fall ist, zeigte die Künstlerin Gabriele Münter, die vor 140 Jahren geboren wurde und eine bekannter Vertreterin der Expressionistengruppe “Blaue Reiter” war.

Oft wird vergessen, dass sie sehr von der oberbayerischen Volkskunst beeinflusst war. Eine Ausstellung im Schloss in Murnau arbeitet jetzt anhand von Werken, die aus der ganzen Welt zusammengetragen wurden, genau diesen Aspekt heraus. Die Voralpenlandschaft hatte schon Künstler wie Kandinsky und Franz Marc inspiriert. Ihre Werke galten als revolutionär, wären ohne die Volkskunst aber kaum möglich gewesen. So war die Glasmalerei eine Technik, die zwar lange Zeit schon bekannt war, aber erst von Münter wiederentdeckt und in ihren Arbeiten integriert wurde. Was sie so bekannt machte, waren die leuchtenden Farben, die mit der Hinterglasmalerei erst richtig zum Ausdruck kamen, und gerade bei den Expressionisten eine so große Rolle spielten.

Von Münter weiß man, dass sie 1908 erstmals nach Murnau reiste. In ihren Aufzeichnungen schrieb sie: “Aber Glasbilder, scheint mir, lernten wir erst hier kennen.” Dieser Satz ist auch Untertitel der neuen Ausstellung geworden. Gezeigt wird auch das Bild “Haus im Park”, das 1909 entstand und eines der bekanntesten Bilder der Künstlerin ist.

Neben den berühmten Arbeiten gibt es aber auch Stillleben zu sehen, die eigentlich sehr charakteristisch für die oberbayerische Volkskunst sind, vor allem Bilder von Blumenarrangements, aber auch Heiligenbilder und Madonnenfiguren. Der Vatikan hat für die Ausstellung das Werk “Sillleben mit Herrghotswinkel” ausgeliehen, sehr zur Freude der Ausstellungsmacher.

Immer wieder verwendete Günter auch in ihren späteren Werken die volkstümlichen Motive, auch als die Nazis ihre Kunst als “entartet” bezeichneten. Wie die Münter-Bilder im Kontext mit anderen Expressionisten stehen, die zur gleiche Zeit lebten, zeigen die im Schloßmuseum vorhandenen Exponate von Kandinsky, Franz und Maria Marc und anderen Weggefährten.

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