Die indianische Volkskunst

In den USA und in Kanada spielt die indianische Volkskunst eine große Rolle. Sie wird ebenso hoch eingeschätzt wie die klassische Kunst und sogar an Universitäten gelehrt. Sehr bekannt sind Totempfähle, die entgegen der landläufigen Meinung weniger Marterpfähle sind als Zeugnisse der ausgeprägten Kultur eines Stammes.

Man kann auch deutliche Unterschiede in der Kunst sehen. So dominieren in Kanada und in Alaska die Stile der West Coast Native Art. Bekannte Stämme waren die Haida, Tsimshian und Kwakiutl. Als einer der großen Künstler dieser Schule gilt Normal Morriseau, der Angehöriger des Stammes der Ojibwa ist.

Die Indianer hatten schon immer ihre Gebrauchsgegenstände mit Ornamenten und Malerei versehen, auch wenn das nicht im klassischen westlichen Kunstverständnis geschah, sondern eher als Volkskunst anzusehen war. Jeder Stamm hatte seine bestimmten Farben und Muster, und die Malereien und Stickereien dienten auch dazum die Stämme unterscheiden zu können.

Mit der zunehmenden Kolonialisierung Amerikas hatten die Indianer immer weniger Lebensgrundlagen. Ob aus Schuldgefühl oder Senitmentalität ist unklar, aber die Besatzer begannen, Interesse an der Volkskunst zu bekommen. Bereits im 17. Jahrhundert hatte man Mokassins nach Europa geschickt. Im 19. Jahrhundert wurden viele Werke produziert, die einen rituellen Charakter hatten und weniger als Kunst gesehen wurden. Sie waren aber auch Teil einer subtilen Bewahrung der Traditionen, nachdem viele Feste und Rituale der Indianer verboten wurden.

Heute ist die Grenze zwischen Volkskunst und kommerziellem Kitsch kaum noch zu ziehen. Ob es Äxte sind oder Schild, Schnitzereien oder Mini-Totempfähle für den Schreibtisch, alles ist zu kaufen, sogar online. Viele Indianer haben sich deswegen von der Volkskunst abgewandt und sehen sich heute als Künstler, die mehr wollen als nur Traditionen weitergeben. Vor allem im Bereich Skulpturen sieht man heute viele moderne indianische Werke, die versuchen die Gegenwart und die Vergangenheit miteinander zu verbinden.

Museen mit indianischer Kunst gibt es in den USA, Kanada, Mexiko und Kolumbien.