Der Sandmann: Moderne Volkskunst

Im kommenden Jahr hat eine der beliebtesten und erfolgreichsten Kindersendungen im deutschen Fernsehen Geburtstag: das Sandmännchen. Es wird seit 1959 produziert, bis 1989 in zwei Versionen, einer westdeutschen und einer ostdeutschen Variante.

Das Sandmännchen gab es aber auch schon zuvor in der Volkskunst. Fast alle europäischen Kulturen haben eine ähnliche Figur, die den Kindern Sand in die Augen streut, damit sie schlafen können. Im Erzgebirge hat man recht früh begonnen, daraus kunstvolle Figuren zu machen, die heute noch angefertigt werden. Historisch lehnen sich die Sandmänner an Geschichten von E. T. A. Hoffman und Hand Christian Andersen an, in denen die Sandmänner als kleine Männchen mit einem weißen Bart beschrieben werden. Die Ähnlichkeit mit der Figur des Rumpelstilzchens ist zwar vorhanden, es gibt aber keine Belege, ob diese als Vorbild gedient hat.

Die Volkskunst entdeckte schnell das Potenzial der Sandmänner. Im Erzgebirge begann man diese in großen Stückzahlen zu fertigen, allerdings immer noch in Handarbeit. Man hielt sich weitgehend an das Aussehen aus den Fernsehsendungen, variierte aber Kleidung und Details in der Bemalung. Gerhard Behrendt gilt als Erfinder des Sandmännchens und war sowohl Regisseur als auch Puppengestalter. Er setzte dem Sandmächen auch seine rote Zipfelmütze auf.

Auch die in den Geschichten oft vorkommenden Figuren, wie das Schnatterinchen und der Hund Moppi, der Igel Borstel und der Kobold Pittiplatsch, wurden von der Volkskunst aufgenommen.

Die deutsche Teilung wurde übrigens auch in den unterschiedlichen Liedern offenbar. Die westdeutsche Variante startete mit der Zeile “ Kommt ein Männchen angeflogen, setzt sich nieder sacht”, während die ostdeutsche Variante “ Sandmann, lieber Sandmann, es ist noch nicht so weit” lautete. Das westdeutsche Sandmännchen begrüßte die Kinder mit dem Satz “ Nun, liebe Kinder gebt fein acht, ich hab’ auch etwas mitgebracht.”

Nach der Wende setzte sich aber die ostdeutsche Variante durch und wird heute noch meistens kurz vor 19 Uhr vom RBB ausgestrahlt.

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